Warum Fair Trade einen Unterschied macht

Adrianne Gilbride ist Senior Environmental and Social Supply Chain Managerin bei Arc’teryx. In den ersten Wochen der COVID-19-Pandemie sammelte sie in schlaflosen Nächten einen Berg von Daten aus dem gesamten Unternehmen. Sie wollte verstehen, was die Situation für die Menschen in den 21 Produktionsstätten in zehn Ländern bedeutete. Die Pandemie richtete überall Verwüstung an, und die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie waren mit am stärksten betroffen.

Ein Ergebnis dieser Arbeit: Zehn Monate später können wir mehr als 80 Arc’teryx Produkte, d. h. über 20 % unseres Sortiments, mit Fair-Trade-Zertifizierung anbieten. Zudem nähern wir uns unserem Ziel, bis 2025 80 % unseres Sortiments Fair Trade zu zertifizieren.

Adrianne erklärt uns, warum es an der Zeit ist, sich für Fairness zu entscheiden. Sie erläutert, wie wir alle dazu beitragen können, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie ein besseres Leben führen können. 75 % sind Frauen, die für den Unterhalt ihrer Familien arbeiten.“

„Für die Herstellung unserer Ausrüstung sind wir auf qualifizierte Mitarbeiter:innen angewiesen. Für die 190 Arbeitsschritte, die zur Herstellung einer einzigen Alpha SV Jacke erforderlich sind, setzen wir bis zu 67 verschiedene Personen ein. Wir verlassen uns auf die Fertigkeiten von fast 7.000 Menschen in 10 Ländern. Sie sollten sich im Gegenzug darauf verlassen können, dass wir für ihr Arbeits- und Lebensbedingungen Sorge tragen und sie entsprechend fördern. „In der Bekleidungsindustrie herrscht eine große Ungerechtigkeit. Wir müssen den Profit umverteilen.“

– Arc’teryx Do Right: Unser Bekenntnis für das Wohlbefinden der Mitarbeiter

Warum brauchte es COVID-19, damit Arc’teryx sich zu fairem Handel verpflichtet?

Das Wohlbefinden der Arbeiter:innen war uns immer wichtig, aber es war eines von vielen Themen, das unsere Aufmerksamkeit verlangte. Der Auslöser, uns eingehender mit Produktionsbedingungen zu befassen, war die Schließung von Fabriken, Unterbrechung von Lieferketten und Entlassung von Tausenden Menschen in der Bekleidungsindustrie in Folge der COVID-19-Krise. Wir recherchierten genau, was wir für den Arbeitsschutz und die qualifizierten Handwerker, die unsere Produkte herstellen, tun könnten. Diese Aufforderung, das Gewohnte zu hinterfragen, hat uns veranlasst, unsere Systeme zu überdenken und unsere Aufmerksamkeit auf die gesamte Lieferkette zu richten. Es war eine Gelegenheit, selbst die Veränderung zu sein, die wir sehen wollten. Zudem haben wir verstanden, wie sehr wir miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.

Wir haben uns daraufhin verpflichtet, bis 2025 sicherzustellen, dass 80 % der Arc’teryx Produkte Fair Trade zertifiziert sind.

Warum eine Fair-Trade-Zertifizierung?

34 % der Beschäftigten in Bekleidungsfabriken auf der ganzen Welt leiden seit der Pandemie mindestens einmal pro Woche an Hunger.

Fair Trade ist einer der führenden Mechanismen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in der Produktion. Und es ist eines der wenigen, wenn nicht sogar das einzige Instrument, mit dem man zusätzliche Mittel direkt in die Hände der Arbeitnehmer:innen geben kann.

Wir haben während der gesamten Pandemie beobachtet, dass es den Menschen in der Bekleidungsproduktion, die in einem Fair-Trade-System beschäftigt waren, besser ging als denen, bei denen es kein Fair-Trade-System gab.

Wir hoffen, dass die Fair-Trade-Zertifizierung schnell zu einem neuen Mindeststandard in der gesamten Bekleidungsindustrie wird. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass dies eine Grundbedingung wird. Dann wollen wir die systembedingte Ungerechtigkeit in den Ländern, in denen die meisten Bekleidungsarbeiter:innen tätig sind, weiter angehen.

Was bedeutet Fair-Trade-Zertifizierung?

Die Fair-Trade-Zertifizierung ist unabhängige Zertifizierung von Fair Trade USA, die dazu dient, bessere Arbeitsbedingungen zu fördern, die Lebensbedingungen zu verbessern und die Umwelt zu schützen.

Zu Beginn konzentrierte sich Fair Trade USA auf die verantwortungsvolle Beschaffung von Kaffee und Schokolade und stieg vor zehn Jahren in den Bekleidungssektor ein. Für Arc’teryx ist die Zertifizierung unserer Produkte mit dem Fair-Trade-Certified-Siegel eine Möglichkeit, die Menschen zu unterstützen, auf deren qualifizierte Arbeit wir angewiesen sind. Die von uns gezahlten Prämien gehen direkt an die Arbeitnehmer:innen. Sie entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben.

Seit ihrem Start im Mai 2021 haben die Beschäftigten von Santa Clara 50.000 USD an Prämien gesammelt. Sie haben entschieden, das erste von diesen Prämien unterstütze Projekt zu nutzen, um allen Beschäftigten kleine Geldgeschenke zu machen und einen langfristigen Notfallfonds einzurichten, um benachteiligte Angestellte zu unterstützen, die möglicherweise Hilfe benötige. Dazu wurden mehr als 25.000 USD auf ein ertragreiches Bankkonto eingezahlt, um Zinsen zu erwirtschaften, während es darauf wartet, eingesetzt zu werden.

Wie funktioniert der Fair-Trade-Prozess?

Damit ein Arc’teryx Produkt eine Fair-Trade-Zertifizierung bekommt, muss es in einer Fabrik hergestellt werden, die nach dem Fair-Trade-Fabrikstandard von Fair Trade USA zertifiziert ist. Für jedes in der Fabrik hergestellte Kleidungsstück zahlt Arc’teryx dann eine zusätzliche finanzielle Prämie auf den Produktpreis. Diese Prämie wird direkt auf ein von den Arbeiterinnen und Arbeitern verwaltetes Bankkonto überwiesen.Vor der Zertifizierung führt Fair Trade USA eine umfassende Bewertung der Arbeitsbedingungen in den Betrieben durch und unterstützt die Mitarbeiter:innen bei der Gründung eines demokratisch gewählten Fair-Trade-Arbeitnehmerausschusses.

Und dann?

Ab Herbst/Winter 2021 sind drei unserer Produktionspartner in Vietnam, Mensa Industries Company Ltd, Youngone Nam Dinh Co Ltd. und Charming Santa Clara co. Ltd, Fair Trade zertifiziert.

Wir haben mit unseren Fertigungspartnern in Vietnam angefangen, weil wir dort die sofort die größte Wirkung erzielen konnten. In unserem Aktionsplan für das Wohlergehen der Mitarbeiter:innen haben wir bereits die nächsten Fabriken aufgeführt, die wir für den Zertifizierungsprozess nominieren werden. Wir wollen erstmal alle vietnamesischen Partner zertifizieren und so bald wie möglich in Bangladesch und Indonesien beginnen.

Sobald die Fabriken Fair Trade zertifiziert sind, können sich auch andere Marken, die mit ihnen zusammenarbeiten, dafür entscheiden, die Arbeiterprämie zu zahlen. So entstünde eine kollektive Kraft zur Unterstützung der Arbeiter:innen in dieser Fabrik. Die Zuschüsse würden sich exponentiell summieren und damit auch die Bedingungen für die Menschen. In gewisser Weise geht es darum, das Ruder herumzureißen. Unser gemeinsames Ziel sollte sein, die Menschen in der Produktion zu unterstützen.“

„Wir machen nicht genug. Wir kommen nicht schnell genug voran. Und die Auswirkungen von COVID-19 sind noch nicht vorbei. Aber du kannst dazu beitragen, den Wandel zu forcieren.“

Können wir schneller, etwas erreichen?

Wir müssen. Als Industrie tun wir immer noch nicht genug, und wir bewegen uns immer noch zu langsam vorwärts. COVID-19 hat einfach etwas aufgedeckt, das bereits existierte. Und während bei uns die Dinge wieder zur Normalität zurückkehren mögen, ist in Asien, wo unsere Produzenten sind, keine Entspannung in Sicht.

Die Lieferketten sind undurchsichtig und die Globalisierung ist komplex. Die Verbraucher so zu informieren und zu motivieren, dass sie die richtigen Marken wählen oder Druck auf sie ausüben, damit sie ihre Praktiken ändern, erfordert von allen Beteiligten viel Einsatz. Fair Trade ist eines der Systeme, die es gibt, um positive Veränderungen leichter zugänglich zu machen.

Wir betrachten dies als einen kleinen Schritt unter vielen, die notwendig sind, um die Lieferketten für Bekleidung umzugestalten und sicherzustellen, dass die Arbeiter:innen einen existenzsichernden Lohn erhalten. Um schneller voranzukommen müssen wir an einem Strang ziehen. Es ist ein Gemeinschaftswerk. Wir unterstützen andere Produktionsstätten im Zertifizierungsprozess. Wir können mit anderen Marken zusammenarbeiten, um Fabriken zu zertifizieren oder es nutzen, wenn eine Fabrik bereits zertifiziert ist. Viele Dinge laufen zusammen, um eine branchenweite Methodik für einen existenzsichernden Lohn zu entwickeln, der den Arbeiter:innen mehr Schutz bieten wird. Und je mehr unserer Gäste sich für Fairness entscheiden, mitmachen und mehr Transparenz und Sorgfalt von Marken, Regierungen, politischen Entscheidungsträgern und Regulierungsbehörden fordern, desto mehr Einfluss haben wir. Je mehr von uns an Bord sind, desto besser.“

Fair Trade Produkte shoppen